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Hunde-ausbilden

15.05.2014

Das Märchen vom gewaltlosen Hundetraining

Es geschah an einem September in Gelsenkirchen, wir besuchten einen Low-Budget Themenabend über Kommunikation und Körpersprache von Hunden. Da es sich bei dem Dozenten um einen durch Film, Funk und Fernsehen bekannten Hundeexperten handelte, nahmen wir irrtümlich an, dass der Inhalt auch etwas mit Hunden zu tun habe.

Neben viel Merchandising u.a. für Fachbücher und Hundefutterproben, fielen uns sofort beim Betreten des Hörsaals die tuschelnden Coach-Drohnen auf, immerhin waren wir mit unserer Hundewelten Berufskleidung dort und wurden erkannt. Nach einer guten Stunde multimedialer Werbeberieselung inklusive Verharmlosung und Schönrederei von Schnauzengriff und Kopfhalftertraining kam auch der Dozent in den Saal.

Auf unseren Plätzen lag neben einem Gewinnspielcoupon auch ein Flyer mit dem Aufdruck: „Verstehen lernen“, „Artgerecht und gewaltfrei ausbilden“, „Als Team agieren“. Ja da staunten wir! Auf der Leinwand wurden Schnauzengriffe und Haltis gezeigt. Ungläubig prüften wir noch mal den Vortragstitel…

Erstes Fazit: Korrigiere also ein Hundeverhalten, dessen eigentlicher Urheber der Mensch ist. Bestrafe artgerechtes Verhalten und dies soll die positive Beziehung zwischen Hund und Mensch fördern. So das Credo der Veranstalter! Ein Widerspruch in sich und vor allem eine weitere These GEGEN den Hund.

Einige Aussagen des Dozenten kurz kommentiert:
"Es gibt Rassedialekte und Kommunikationskulturen. Wer seinen Hund ausschließlich mit rassegleichen Artgenossen agieren lässt, zieht sich einen Rassisten heran!"
Nun, wir geben gerne zu nicht gewusst zu haben, dass Hunde rassistisch sind. Wir nahmen bisher auch an, dass Hunde eine reine Körpersprache pflegen und nicht der Dialektik verfallen sind. Angesichts dieser Tatsache, wird natürlich auch klar, warum sich Hunde aus der Großstadt nicht mit Hunden vom Land verstehen... sie sprechen einfach einen anderen Dialekt.

"Es gibt ungehemmtes Beißen!"
Das müssen Hundebisse sein, die mehr schmerzen als die gehemmten, oder?

"Wenn der Hund beim Anblick von Artgenossen nicht weitergehen will dann ist das so."
Jeden Abend eine Gute-Nacht-Kassette mit den Worten „ Andere Hunde sind nicht schlimm“ wird es dann bestimmt richten

"Üben Sie mit Ihrem Hund spontanes anfassen!"
Auch Sie werden es lieben, wenn ein Haufen fremder Menschen Sie begrabscht!

Nun schauen Sie nicht so entsetzt, ist immerhin“Experten-Rat“!
"Lassen Sie den Hund markieren. Das schafft Sicherheit wie Ihr Gartenzaun. Gleiches Klo = gleiche Gruppe!" 
Prima Idee, ab heute teile ich gerne meinen Partner, meinen Hund, mein Auto und mein Geld, dass sorgt für Nähe und Vertrautheit! Also Türen auf, ich mach schon mal Kaffee…

"In der Stadt sollen Hunde nicht markieren. Verwenden Sie ein Geschirr und lange Leine, dann darf er markieren. Nehmen Sie Halsband und Leine und er darf es nicht. Das können Hunde unterscheiden und man sollte es erlauben!"
Prima, lieber Hund, bitte lass tagsüber meine Freunde rein aber Einbrecher nicht! Es wird Dir leicht fallen, dies zu unterscheiden!

"Hunde können vorausschauend planen!"
Ich war schon immer für „Bello for President!“ "Wenn Hunde auf einander treffen und erstarren dann gehen Sie weg in die entgegen gesetzte Richtung. Zu 99,9% passiert dann nichts!" Das erklärt endlich, warum es ca. 80.000 Verletzungen durch Hunde gibt. Dunkelziffer nicht berücksichtigt! Und das erklärt auch, dass sich Artgenossenaggression nur in unseren menschlichen Köpfen abspielt. Andere glauben, Sie wären in der Matrix oder schieben es auf Drogenkonsum. Vielleicht hat auch eine miese Kindheit Schuld daran, dass man meint zu sehen, dass Hunde sich mitunter tot beißen! Wir sitzen also gar nicht in der Tierklinik und lassen Hasso flicken, alles ein Produkt unserer Fantasie!

"Ein sozial-aktives Spiel ist besser als eine Futterbestätigung!"
Bitte gehen Sie für mich arbeiten, dafür spielen wir Schach zusammen! Das füllt zwar weder Ihren Magen noch Ihren Kühlschrank, aber wenn es „Profis“ raten….Dumm, wenn Sie Schach nicht so satt macht wie Pizza, Ihre Motivation, gewünschtes Verhalten mir gegenüber zu zeigen wird rasch abnehmen, aber dafür gibt es dann ja „gewaltfreie Korrektur“.

"Hunde sollen uns körperlich respektieren!"
Also Ring frei für Runde 1: Herr Meyer vs. Brutus!

Ich könnte Ihnen noch Seitenweise weitere absurde Äußerungen vorstellen, bei allen bisher genannten Ideen und Ratschlägen fehlt mir jedoch ausnahmslos der Mensch! Hunde leben mit Menschen zusammen, nicht mit den Artgenossen der Spielwiese. Ihr Rudel besteht aus den Individuen der häuslichen Gemeinschaft. Vor allem aber wissen Hunde, dass wir KEINE Hunde sind sondern Sozialpartner!

Zugegeben war der Abend sehr unterhaltsam, einer Comedy-Veranstaltung kam dieser Event gleich. Wir lernten, dass Dalmatiner auch Rosinenbrötchen genannt werden, dass weibliche Teilnehmerinnen die angepriesene CD für den zuhause gebliebenen Mann mitnehmen sollten und dieser sich so nicht mehr gegen das Thema „Hundeerziehung“ wehren könne, wenn man seinen CD-Spieler nach dem Einlegen der zuvor käuflich erworbenen CD mit Pattex verschließt.

Inhaltlich fällt mir dazu nur folgendes ein:
Wenn Du nicht mit Wissen beeindrucken kannst dann begeistere mit Unsinn!

Stefanie Weinrich, Hundewelten Deutschland

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